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Lehr- und Versuchsgut Oberholz

 

Rudolf-Breitscheid-Straße 38
04463 Großpösna

Leiterin:  Frau Ursula Rauwolf
Telefon:  03 42 97 / 4 12 89
Fax:        03 42 97 / 4 12 15
E-Mail:    lvgverwaltung@vetmed.uni-leipzig.de

 

Im Jahre 1544 erhielt die Universität Leipzig als Schenkung durch Kurfürst Moritz von Sachsen die Liegenschaft Oberholz (ca. 220 ha Wald) sowie 5 Dörfer mit allen Einnahmequellen. In den Jahren1892/93 wurde das erste Landwirtschaftliche Institut der Universität Leipzig nach Oberholz verlegt und die Versuchswirtschaft Oberholz aufgebaut, die 1951 als Lehr- und Versuchsstation der neu gegründeten Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Universität Leipzig zugeordnet wurde.

Das heutige Lehr- und Versuchsgut Oberholz (LVG) steht seit dem 01.08.1993 in der Verwaltung der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Der Betrieb verfügt über eine landwirtschaftliche Nutzfläche von insgesamt 265 ha mit durchschnittlich 53 Bodenpunkten; 54 ha Grünland dienen der Produktion von Grünfutterkonserven (Heu, Silagen) und ermöglichen temporär eine umfangreiche Weidehaltung der Tiere. Er befindet sich im Bereich der Leipziger Tieflandsbucht, südöstlich der Großstadt Leipzig und grenzt somit unmittelbar an neu gewachsene Wohn- und Gewerbegebiete.

Der Tierbestand umfaßt 40 Milchkühe, plus Jungvieh, 50 Zuchtsauen, zuzüglich Jung- und Mastschweine, 100 Mutterschafe, ergänzt von ihrer Nachzucht und Masttieren sowie 100 Stück Damwild. Weiterhin werden für 10-12 Pferde gehalten. Diese Diversifikation und Dimension der Tierhaltung sind der Aufgabenstellung seitens der Tiermedizinischen Fakultät geschuldet (s.u.). Dennoch werden hohe Leistungen erzielt: Jahresleistungen von durchschnittlich 9.000kg Milch/Kuh und jährlich 23 aufgezogene Ferkel/Sau bestimmen seit Jahren das Niveau. Mit der Haltung ausgewählter Nutztierrassen wie dem Deutschen Sattelschwein oder Merinofleischschafen wird ein Beitrag zum Erhalt vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen geleistet.

 


Es kommt, wo nötig, moderne Technik zum Einsatz, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Fütterung und Reproduktion werden angewendet. In guter fachlicher Praxis wird täglich um hohe tierische Leistungen gerungen. Das LVG Oberholz nimmt an den Programmen zur Qualitätssicherung tierischer Produkte teil und kann mit dem „Weißen Band“ für Milchgewinnung von seiner Beständigkeit für beste Qualität in der Milcherzeugung überzeugen. Die Mastschweineerzeugung erfüllt seit Jahren alle Kriterien des QS- Gütesiegels, kann bei der Bekämpfung von Salmonellen mit der Kategorie 1aufwarten und verzichtet dank vorbeugender Maßnahmen weitestgehend auf Antibiotikaanwendungen. Die gekörten Zuchtböcke erringen Höchstpreisgebote auf anerkannten Zuchtauktionen und erlangen Spitzenpositionen im sächsischen Vergleich.

Die stallbaulichen Voraussetzungen werden kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert. Schaf-, Pferde und Milchkuhhaltung sind in Kaltställen etabliert, die zwischen 2000 und 2005 entstanden sind. Für Kälber und Jungrinder stehen Iglus und ein Altbau zur Verfügung. Im Jahre 2012 wurde der gesamte Wartebereich der tragenden Sauen zu Freilaufgruppenbuchten mit Auslauf  umgebaut und mit einer Hochdruckvernebelungsanlage  bestückt, um die hohen Sommertemperaturen für die Sauen abzumildern. Diese besseren Haltungsbedingungen werden sich in den Leistungen der Sauen niederschlagen. Im Frühjahr 2013 sind umfangreiche Renovierung- und Flächenoptimierungsmaßnahmen im Verwaltungsgebäude und schließlich der Neubau eines Tierversuchsstalles begonnen worden (2 kleine Baumaßnahmen); dies wird sich über die nächsten 3-4 Jahre erstecken.


Mit der Integration des Lehr- und Versuchsgutes in die Veterinärmedizinische Fakultät wurde auch die Aufgabenstellung des Betriebes neu formuliert. Eine vorrangige Aufgabe ist die studentische Ausbildung in der Tiermedizin am leistungsorientierten, gesunden Nutztier. Zunächst stehen Grundlagen zur Tierproduktion auf dem Programm. Dem trägt u.a. ein verpflichtendes landwirtschaftliches Praktikum bereits nach dem 1. oder 2. Semester Rechnung. Seit 2001 stehen den Studierenden hierfür Unterkünfte auf dem Hofgelände zur Verfügung. Die täglichen Arbeitsabläufe von Versorgung und Pflege der Tierbestände, sowie besondere Ereignisse, die oft im Zusammenhang mit Geburt stehen, erleben die Studenten nun hautnah und können sich aktiv beteiligen. Leistungsorientierte Behandlung der Tiere und Krankheiten vorbeugendes Bestandsmanagement sind Grundpfeiler einer verläßlichen Gewinnung von Lebensmittelns tierischer Herkunft. Den Studierenden der Tiermedizin werden im Rahmen der klinischen Ausbildung Anforderungen an die fachlich fundierte Betreuung landwirtschaftlicher Nutztiere und die zugehörigen Kenntnisse vermittelt. Jede/r Student/in hat die Möglichkeit, bei tiernaher Ausbildung die eigene Expertise zu entwickeln und erste Erfahrungen für die eigene berufliche Zukunft zu sammeln. Mit der angelaufenen baulichen Überarbeitung der Infrastruktur werden die Voraussetzungen für die Verzahnung theoretischer und praktischer Ausbildung nachhaltig verbessert werden.

Der Tierbestand ist ferner für tierexperimentelle Studien vorgesehen, beispielsweise zu Veränderungen in der Regulation des Stoffwechsels bei Übergang von der Trächtigkeit in die Laktation oder zu Effekten von Probiotika auf die Gesundheit des Magen/Darmtraktes. Insbesondere mit der abgeschirmten Haltung von Schweinen und Schafen werden zudem Nachfragen zu gesunden Tieren für Ausbildungs- und Studienzwecke von Einrichtungen der Veterinärmedizinischen Fakultät selbst, vor allem aber auch seitens der Medizinischen Fakultät, des Universitätsklinikums und des Herzzentrums erfüllt. Auf die Tierhaltung gründende Kooperationen bestehen ferner mit dem hiesigen Fraunhofer-Institut und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Der neu entstehende Multifunktionsstall verbunden mit einer Einheit zur Mischfutterherstellung wird in 3 Jahren das Potential zu tierexperimentellen Arbeiten beispielsweise zu Zivilisationskrankheiten beim Tier (Bewegungsstörungen, Adipositas, Harnsteine, Entzündungen der Milchdrüse u.a.) erweitern.

Im ehemaligen Forschungslaborgebäude  für künstliche Schafbesamung wurde eine einzigartige Sammlung veterinärhistorischer Urkunden, Geräte und anderer vielfältiger Zeitzeugen vergangener veterinärmedizinischer Praxis zusammengetragen, katalogisiert , gepflegt, geordnet und somit der Nachwelt erhalten. Ergänzt wird diese Sammlung durch eine Bibliothek von Fachbüchern vieler Jahrzehnte veterinärmedizinischer Lehre und Forschung.

Aufgrund des Profils der Tierhaltung kommt eine wichtige Rolle für die gesamte Bewirtschaftung am LVG Oberholz der Feldwirtschaft zu. Das erforderliche Futter wird auf den wirtschaftseigenen Flächen nach den Gesichtspunkten des umweltgerechten Landbaus produziert. Auf dem Ackerland erfolgt der Anbau von Getreide (Gerste und Weizen), Raps, Feldgras, Mais und Zuckerrüben entsprechend de Richtlinien für gute fachliche Praxis. Das beinhaltet moderne Erkenntnisse zur nachhaltigen landwirt-schaftlichen Produktion, Einhaltung der Richtlinien bei Düngung, Vieh-Hektarbesatz, Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, Boden –und Gewässerschutz.

Für die vielfältigen Arbeiten im LVG stehen 14 Mitarbeiter/innen zur Verfügung. Sie erfüllen alle die an sie gestellten Anforderungen in der Produktion und bei der Anleitung der mitarbeitenden Studierenden. Sie sind bestrebt ihre eigenen Erfahrungen weiter zugeben und bereit Neues dazuzulernen.

Initiativen, das Gut anderen Bereichen der Universität zu öffnen (z. B. Biologie, Erziehungswissenschaften) oder außeruniversitären Einrichtungen zur Verfügung zu stehen, um auch Laien Einblick in die Gewinnung von Lebensmitteln tierischer Herkunft zu geben werden, gerne aufgegriffen.

Die Qualität der Erzeugnisse bildet die Voraussetzung für einen sicheren Absatz und die Zusammenarbeit in Erzeugergemeinschaften mit ihrem Erfahrungsaustausch und Bildungsmaßnahmen, schafft die Grundlage zur Weiterentwicklung. Gut ausgebildete Tierärztinnen und Tierärzte sind hierbei unentbehrlich. Diesem Gedanken fühlt sich das Lehr- und Versuchsgut verpflichtet.